Das beste Chili con Carne: Ein Retro-Rezept

Ich gebe es ungern zu, aber die Nostalgie beginnt mit zunehmendem Alter an mir zu nagen. Nachdem ich das neue Buch von Jan Weiler gelesen habe, bin ich im Kopf ebenfalls alle meine früheren Beziehungen durchgegangen und habe mir überlegt, wie ich über sie schreiben würde. Da es ja nicht so wahnsinnig viele sind (jedenfalls keine 13 wie bei dem Protagonisten Peter Munk), werde ich das vielleicht mal als Projekt für den nächsten Nordseeurlaub im Hinterkopf behalten.

Zu dieser Nostalgie gehört es untrennbar, dass ich gelegentlich meine alten Rezeptsammlungen durchblättere (die sind ja schließlich noch, ganz oldschool, natürlich analog). Und da ich vor kurzem mal wieder Besuch hatte, der über Dinnergröße hinausging, habe ich diesen Klassiker gewählt. Das Originalrezept ist 35 Jahre alt und aus der ‚Brigitte‘, von der ich gar nicht weiß, ob sie noch verlegt wird. Es zeichnet sich durch Gradlinigkeit ihrer Zutaten aus. Erstmalig gekocht habe ich es anlässlich des 30. Geburtstags meiner Schwester (♥), es waren wohl knapp 20 Liter. Das Problem war das Küchenequipment. Die zu öffnenden Dosen hatten damals noch keine Lasche, sondern mussten mit einem Öffner, den meine Freundin in den gemeinsamen Hausstand mit eingebracht hatte, unter größter Kraftanstrengung mühsam geöffnet werden. Ähnlich komfortabel war die Küchenmesserausstattung, die genau aus einem Küchenmesser bestand, das zudem auch noch stumpf wie ein Besenstil war.

Dabei ist die Zubereitung denkbar simpel:

  • 1 kg Hackfleisch (gemischt)
  • 150 g durchw. Speck (im Blitzhacker ‚durchgelassen‘)
  • Öl,
  • Chili-con-Carne Gewürz
  • 500 g Zwiebeln (in Ringe geschnitten)
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 2 gr. Dosen (oder 4 kleine) stückige Tomaten
  • 3/4 – 1 Liter Brühe
  • 2 große Dosen Kidney-Bohnen
  • 1 Dose Mais
  • Salz und Pfeffer

Der Rest ist fast selbsterklärend: Hack und Speck in Öl krümelig anbraten und mit Chili-Gewürz reichlich würzen, in einen großen Topf umfüllen, im Bratfett die Zwiebeln und den durchgepressten Knoblauch anschwitzen, mit Dosentomaten auffüllen und aufkochen lassen und ebenfalls umfüllen. Kidneybohnenabgießen, zusammen mit dem Mais in den großen Topf geben und mit Brühe aufgießen. Alles ca. 2 Stunden sanft köcheln lassen und über Nacht kalt stellen. Am nächsten Tag mit Salz, Pfeffer und Chili-Gewürz abschmecken.

Stollenkonfekt

Anfangs habe ich immer gedacht, dass Stollenkonfekt einfach nur Stollen im Miniformat sei. Dem ist aber nicht so. Während ein Christstollen ein relativ kompakter Teig ist mit relativ viel Butter und Mandeln, ist der Stollenkonfekt eher zart und mürbe…und vor allen Dingen ohne Orangeat und Zitronat.

Die Motivation, diese kleinen, leckeren Biester nachzubauen, kam nicht aus meiner grenzenlosen Leidenschaft fürs Backen. Vielmehr war es der pure Geiz, denn als ich gesehen habe, was Bäckereien für ein winziges Tütchen haben wollen, hat es mir die Sprache verschlagen. Diese Erkenntnis stammt allerdings noch aus der Zeit des Beginns des Ukrainekriegs, als alles preislich in die Höhe geschossen ist. Mein erster Versuch war ein Teig mit Quark und Backpulver, aber das Resultat gefiel mir überhaupt nicht. Naja, echte Fotoschönheiten sind es immer noch nicht (‚ich kann nicht schön, nur lecker!‘), aber schließlich soll der Geschmack im Vordergrund stehen.

Zum Unterheben:

  • 200 g Rosinen
  • 100 g gehackte Mandeln
  • 60 ml Rum
  • 4 Tropfen Bittermandelaroma

Für den Teig:

  • 500 g Weizenmehl Typ 405
  • 1 EL Zucker
  • 2 Tütchen Trockenhefe
  • 2 TL Stollengewürz
  • 120 ml Lauwarme Milch
  • 200 g weiche Butter
  • 100 g Puderzucker
  • 70 g Marzipan-Rohmasse

Zum Finalisieren:

  • 200 g Puderzucker
  • 200 g flüssige Butter

Am Vorabend, Rosinen, Nüsse, Rum und Aroma miteinander verrühren und luftdicht verschließen (sonst riecht die ganze Bude nach Sprit). Am nächsten Tag Marzipan kleinschneiden und kurz im Ofen (50-75 Grad) etwas weicher machen mit Butter und Puderzucker in der Küchenmaschine aufschlagen, anschließend übrige Teigzutaten zufügen und ordentlich kneten. Meine Küchenmaschine hat für sowas eine Art Silikonbesen, mit dem das hervorragend funktioniert. Zum Schluß noch die Rumrosinen samt Flüssigkeit zugeben und mitkneten. Anschließend mind. 2 Stunden zugedeckt gehen lassen (am besten im Backofen bei 50 Grad Ober/Unterhitze, Tür einen Spalt geöffnet lassen). Nicht darüber wundern, dass der Teig nicht so wahnsinnig heftig aufgeht, aber dafür reicht die Triebkraft der Hefe kaum aus. Den Ofen nach der Gehzeit auf 175 Grad Ober/Unterhitze vorheizen, 2 Backbleche mit Backpaper auslegen und etwa 25 Häufchen je Blech daraufsetzen. Etwa 12-15 Minuten backen. Nicht wundern, wenn sie sich noch weich anfühlen…das muß so. Anschließend sofort mit Butter bestreichen und ordentlich Puderzucker darübersieben.

Ravioli à la Carbonara

Dies ist nur für dich, Wolfgang.

Gelegentlich werde ich gefragt, ob ich meine Kochkenntnisse bei meiner Mutter oder Großmutter gelernt hätte. Beides muß ich aus verschiedenen Gründen verneinen, aber das ist eine andere Geschichte. Allerdings hatte ich einen kulinarischen Ziehvater namens Wolfgang, der vom Freund meiner Eltern zu meinem väterlichen Freund wurde. Wolfgang kam aus einfachen Verhältnissen und hat sich mit Fleiß und Können ein ansehnliches Leben und Wohlstand erarbeitet. Er war kunstaffin, belesen und liebte die schönen Dinge des Lebens. Er hat sehr früh erkannt, dass mich Geschmäcker und Aromen faszinierten und dass mir die niedersächsiche Küche mit Grünkohl und Spargel als kulinarische Speerspitzen kaum ausreichen würde. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, als er eine Lammkeule zubereitete, in dessen Fleisch winzige Messerschnitte gesetzt und mit kleinen Knoblauchstiften gefüllt wurden, die dann beim Schmoren ins Fleisch übergingen. Die Kräuterwürzung bestand aus Rosmarin und Thymian und während des Schmorens wurde das Lamm von beiden Seiten mit Gorgonzola bestrichen und immer wieder mit einem Glas Lugana begossen. Das Ergebnis war die perfekte Lammkeule, die ich so nie wieder gegessen habe.

Zur Geburt meiner Tochter schenkte er mir 2 Kisten Chianti Classico di Antinori, den zu der Zeit wohl besten Rotwein Italiens. Die letzte Flasche trank ich zur Jahrtausendwende.

Ihm habe ich die erste (und vermutlich beste) Carbonara meines Lebens zu verdanken. Es war Anfang der Achtziger und wir waren alle gemeinsam im Wanderurlaub in Südtirol. Als wir nach einer ziemlich anstrengenden Wanderung in eine dieser urgütlichen Hütten einkehrten, bestellte Wolfgang ohne mich zu fragen „Spaghetti Carbonara“, ein für mich damals unbekanntes Gericht. Serviert wurde ein großer Teller Nudeln, auf dem ein rohes Eigelb thronte, daneben zwei kleine Schälchen mit durchwachsenem Speck und gemahlenem Parmesan. Ehrlich gesagt war ich etwas angewidert vom rohen Ei, wollte mir aber nichts anmerken lassen und vermengte alles ordentlich miteinander und aß den Keller ratzekahl leer. Es war die Mischung aus Hunger, Neugier und Faszination, die mich übermannten. So etwas hatte ich bislang noch nie gegessen, ich war zum ersten Mal kulinarisch angeknipst.

Ich besuchte Wolfgang oft und immer hatte er irgendeine Überraschung parat. Eine neue Espressosorte, ein frisch importierter Gorgonzola dolce oder einfach nur ein schönes Glas Wein oder einen feinen Grappa. Wir saßen in seinem kargen Weinkeller auf Hockern und erzählten uns gegenseitig vom Leben.

Einmal hat er uns selbstgemachte Ravioli serviert, klassisch gefüllt mit Ricotta, Spinat und Pecorino. Das war in den Neunzigern kulinarisch ganz weit vorn, assoziierte man Ravioli doch mit diesen matschigen Biestern aus der gelben Dose mit roter Schrift, die immer leicht nach Kotze gerochen haben. Und deshalb erinnert mich dieses Rezept, das quasi eine Kreuzung aus Carbonara und Ravioli ist, so sehr an Wolfgang.

Nudelteig

  • 150 g Mehl
  • 150 g Semola (doppelt gemahlener Hartweizengrieß)
  • 3 Eier
  • 1 EL Olivenöl
  • 1/2 TL Salz
  • Eiweiß zum Bestreichen

Aus allen Zutaten (außer dem Eiweiß) einen geschmeidigen Teig kneten und in Klarsichtfolie gewickelt mind. 2 Stunden ruhen lassen.

Carbonara-Füllung

  • 50 ml Weißwein
  • 200 ml Schlagsahne
  • 1 TL Speisestärke
  • 6 Eigelb
  • je 50 g frisch gemahlener Pecorino und Parmesan
  • Salz, Pfeffer, Muskat

Die ersten drei Zutaten verrühren und aufkochen, vom Herd ziehen und Eigelbe und Käse unterziehen. Würzen und in eine passende Form füllen und ca. 60 Minuten einfrieren.

Speckfond

  • 300 g durchwachsenen Speck
  • 1 Zwiebel
  • 1Knoblauchzehe
  • 40 g Butter
  • einige Stile Thymian
  • 20 g Risotto-Reis
  • einige Pfefferkörner
  • 100 ml Weißwein
  • 200 ml Gemüsefond
  • 100 ml Schlagsahne

250 g Speck (50 g für den Spinat übriglassen) erst in halbzentimeter dicke Scheiben, dann in Streifen schneiden, grob geschnittene Zwiebel und Knoblauch und Speck in heißer Butter andünsten, Thymian, Reis und Pfeffer zugeben, kurz dünsten, dann mit Wein ablöschen, aufkochen und nahezu vollständig verdunsten lassen, dann Sahne und Fond angießen und etwas reduzieren lassen, Topf beiseite stellen, später durchsieben.

Spinat

  • 150-200 g frischer Blattspinat
  • 1 kl. Knoblauchzehe
  • Olivenöl
  • Pfeffer

Spinat waschen und tropfnass ins heiße Olivenöl geben, Knoblauch dazupressen und kurz dünsten und zur Seite stellen.

Zurück zum Nudelteig. Hierfür den Teig vierteln und nacheinander durch alle Stufen der Nudelmaschine geben. Anschließend jede Teigbahn halbieren und eine Hälfte mit Eiweiß bestreichen. Auf die jeweils andere Hälfte 4-5 Häufchen der Carbonaramasse geben und mit Eiweißteigbahn bedecken. Mit den Fingern vorsichtig andrücken und mit dem Teigrad ‚ausschneiden‘. Gut mit Semola bestreuen und in eine große flache Schale geben. Falls erst später gegessen wird, Schale abgedeckt in den Kühlschrank stellen.

Die Finalisierung ist ganz einfach: In einem großen Topf Wasser salzen und (fast) zum Kochen bringen. Es soll sieden, das ist die Vorstufe zum sprudelnden Kochen. Die Ravioli ins Wasser geben und ca. 5-7 Minuten ziehen lassen. Nebenbei Spinat und Speckfond erhitzen. und alles auf hübschen Tellern anrichten.

Ich zog irgendwann in einen anderen Ort und unser Kontakt wurde weniger und beschränkte sich auf Telefonate. In unserem letzten Telefonat war ihm anzumerken, dass es ihm nicht gut ging und er erzählte von dem bevorstehenden Tod. Ob er Angst vor dem Tod habe, fragte ich ihn. Darauf antwortete er in typischer Wolfgang-Manier: „Ich habe soviel Schönes im Leben erfahren, da schreckt mich der Tod nicht mehr ab.“ Am Ende des Telefonats fragte er mich, ob ich das Rezept der Lammkeule jemals nachgekocht hätte. Hatte ich nicht und werde ich wohl auch nie. Manche Erinnerungen sollten einfach für sich stehen und bedürfen keiner Nachahmung. Wenige Tage später verstarb er.

Pulled Pork aus dem Dutch Oven

Also erstmal eins vorweg: Dieses Fleisch, das seinen Namen dadurch bekommen hat, weil man es mit Gabeln auseinanderzieht, wird im Englischen „pullt“ ausgesprochen. Volldeppen, die es „pullett“ aussprechen, haben schon mal pauschal eine Schelle verdient. Genau wie die Fleischexperten, die mit prall gefülltem Portomonnaie an der Fleischtheke stehen und vollmundig ein „Entrekoh“ bestellen. Freunde, man spricht das ‚t‘ mit (weil darauf ein ‚e‘ folgt), auch wenn es sprachlich an nichts Essbares erinnert. Soviel dazu! Pulled Pork ist ein göttlich leckeres Stück Schweinefleisch, das durch langes Garen im gusseisernen Topf bei indirekter Hitze einige Stunden gart, bis es quasi fast von allein zerfällt. Aber der Reihe nach:

  • 1,5 kg Schweinenacken (oder -kamm)
  • ca. 30-50 g Grillrub (siehe unten)
  • 4 Gemüsezwiebeln
  • 1/2 l Apfelsaft (ich nehme naturtrüben)

Am Vortag das Fleisch rundherum mit dem Rub würzen, vakuumieren und für ca. 24 Stunden in den Kühlschrank legen. Wer keinen Vakuumierer hat, nimmt einfach Frischhaltefolie und wickelt das Fleisch fest darin ein. Ein Rub ist übrigens eine Gewürzmischung, die man trocken (also ohne Zugabe von Öl) auf das Fleisch gibt. Man kann sie einfach selbst herstellen oder man nimmt dies oder dies. Basis ist in den meisten Fällen Paprikapulver, das durch andere Gewürze wie Kreuzkümmel (Cumin), Salz, Pfeffer, Knoblauchpulver, Zwiebelpulver, Zucker ergänzt wird. Nach 24 Stunden das Fleisch aus der Kühlung nehmen und vom Plastik befreien, die Zwiebeln schälen und achteln.

Zwiebeln in den Dutch Oven füllen, das Fleisch, das mit einem Thermometer versehen wird, darauf legen und den Apfelsaft angießen. Den Gasgrill (mind. 3-flammig) auf 130 Grad vorheizen (die mittlere Flamme aus lassen) den Dutch mit Deckel in die Mitte setzen und den Grill schließen. Wie lange das Fleisch nun benötigt, um die Kerntemperatur von 95 Grad zu erreichen, lässt sich pauschal nicht sagen, da es sehr viel von der Qualität und Dicke des Fleischstücks abhängt. 3,5 Stunden werden es aber schon sein. In der Zwischenzeit könnte man sich der Herstellung von Burger Buns widmen.

Wenn die Zeit gekommen ist, wird gepullt, d.h. das Fleisch wird vorsichtig aus dem Topf gehoben, auf ein großes Schneidebrett gelegt und mit eigens dafür vorgesehenen Krallen auseinander gezogen. Danach mit einer guten BBQ-Sauce (mein Rezept folgt in den nächsten Tagen) vermengt….fertig!

Gegessen wird die ganze Chose mit einem Burger Bun oder Brötchen, ganz wie man mag!

Geschnetzeltes mit Senfrahm

Geschnetzeltes ist eigentlich ein Allroundtalent. Fleisch, Zwiebeln, Soße – fertig. Der zeitlose Prototyp ist und bleibt das Zürcher Geschnetzeltes (nur echt ohne i). Gepaart mit Rösti ein wahrer Gaumenschmaus.

Die Kunst von gutem Geschnetzeltem liegt darin, dass das Fleisch nicht trocken wird. Das ist gar nicht so einfach. Schneidet man es nämlich zu fein und brät es dann scharf an, ist es bereits vor dem Bad in der Soße schon gar und kann nur noch hart werden. Auch die Wahl des richtigen Fleisches ist von großer Bedeutung. Schnitzel eignen sich eigentlich nicht so gut, Rücken eigentlich auch, da beide sehr dazu neigen, zu schnell zu trocken werden. Nacken eignet sich prima, mag aber nicht jeder. Filet geht immer, ist aber auch am teuersten.

Die heutige Variante zeichnet sich eine besonders würzige Note aus.

  • 600 g Fleisch nach Belieben (s.o.)
  • 2 Zwiebeln
  • 1 EL milder Paprika
  • 100 ml trock. Weißwein
  • 150 ml Sahne
  • 1 EL mittelscharfer Senf

Die Zubereitung lässt sich eigentlich fast erahnen: in die Pfanne etwas Butterschmalz oder Öl geben, ordentlich heiß werden lassen und in Streifen geschnittene Fleisch kurz und kräftig anbraten. Hitze etwas reduzieren. Herausnehmen und mit Salz und Pfeffer würzen. Zwiebeln vierteln und in Streifen schneiden und in die Pfanne geben. Sind sie angebraten, mit Paprika bestreuen und mit Wein ablöschen, ca. 5 Minuten einkochen lassen. Dann Sahne und Senf zugeben und nochmal reduzieren, bis die Soße sämig ist. Das Fleisch zugeben und kurz erwärmen.

Guten Appetit!

Schweinerückensteak „Steakhouse-Art“

Warum das Ding so heißt, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls bislang noch in keinem Steakhouse je so etwas gesehen, geschweige denn gegessen. Allerdings klang das Rezept derart lecker, dass ich es ausprobieren musste. Und man kann über das Großmaul Henssler ja sagen, was man will, aber kochen kann er. Und ‚Hensslers schnelle Nummer‘ ist tatsächlich sehr oft ziemlich großartig. So auch dieses flotte Gericht, das natürlich viel schneller gehen würde, wäre das Fleisch nicht so üppig portioniert.

  • Schweinerückensteak in beliebige Dicke
  • etwas Steakgewürz
  • 2 EL Mehl
  • 1 Stange Porree
  • 1 rote Paprikaschote
  • 4-5 braune Champignons
  • 2-3 EL Ketchup
  • 100 ml Orangensaft
  • 200 ml Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • frisch gehackte Petersilie

Das Fleisch zunächst mit dem Steakgewürz bestreuen danach im Mehl wälzen. In einer sehr heißen Panne (am besten eine gußeiserne Steakpfanne) kurz braten und herausnehmen und im Ofen gar ziehen lassen (je nach Dicke 10-20 Minuten bei 150 Grad Umluft). Das Gemüse in der Pfanne mit etwas Butterschmalz andünsten und mit Ketchup, und Orangensaft ablöschen und anschließend mit Sahne angießen und gar ziehen lassen. Mit Steakgewürz nach Belieben würzen. Mit Petersilie bestreuen.

Test: Meater 2 Plus

Ich halte mich für einen einigermaßen routinierten Hobbykoch. Die Zeiten, in denen mit großen Fragezeichen vor einem Rezept gesessen habe, sind wohl vorbei. Ich erinnere mich, als ich zu Beginn meiner Kochlaufbahn in einem Rezept den Begriff „Schnittlauchröllchen“ las. Ich fragte meine Frau, ob sie wisse, was das denn wohl sei, weil ich davon ausgegangen war, dass es sich um fertiges Produkt gehandelt hat. Erst Jahre später fiel der Groschen, als ich in einem Rezept las, dass man ‚Schnittlauch auch hervorragend mit einer Schere zu Schnittlauchröllchen‘ verarbeiten könne.

Allerdings bin ich bei einem Skill immer noch miserabel: Dem richtigen Abschätzen des Gargrads. Schrecklich, furchtbar, unmöglich! Jedes Mal, wenn ich ein tolles Stück Fleisch habe, das keinesfalls ‚durch‘ serviert werden sollte, komme ich ins Schlingern. Egal ob Rumpsteak, Filet oder Rücken, den richtigen Gargrad bekomme ich selten hin! Und gelingt es mir und ich bin stolz wie Bolle, geht es beim nächsten Mal garantiert wieder so richtig in die Hose!

In einem der mittlerweile immer seltener werdenden passablen Kochpostillen macht der österreichische Sternekoch und Grinsekatze Johann Lafer Werbung für ein Fleischthermometer, das das Braten revolutionieren soll. Es misst die Temperatur im Fleisch, die Umgebungstemperatur und gibt eine Prognose ab, in welcher Zeit die Zieltemperatur erreicht sein wird. Diese wird zu Beginn des Garvorgangs aus einem einfachen Menü ermittelt. Ein idiotensicheres Ding, also genau das richtige für einen wie mich!

Was soll ich sagen? Das Teil funktioniert bestens und man kann sich getrost darauf verlassen. In diesem Fall war es Schweinerückensteak, ziemlich dick geschnitten. Nach dem scharfen Anbraten kam es in den 150 Grad heißen Backofen und sollte da 20 Minuten verweilen. Der Gargrad war perfekt und das Fleisch noch saftig. Ich habe den Meater jetzt auf dem Gasgrill, Holzkohlegrill und im Backofen verwendet. Das Ergebnis war stets perfekt.

Übrigens: Nein, ich bekomme keine Kohle dafür, dass ich Werbung mache. Ich finde das Teil so genial, dass ich das einfach so mache!

Omas Rahmwirsing

Heute tauchen wir mal ab in die Niederungen der großmütterlichen Küche und kochen etwas, das viele tatsächlich nur noch von der Oma kennen. Ich kann mich ganz schwach daran erinnern, das meine Großmutter dieses Gemüse geliebt hat und wahrscheinlich auch deshalb totgekocht hat, bis vom Wirsing nur noch ein Brei übrig geblieben war. Dazu gab es untersalztes Kartoffelpüree und grobe Bratwurst mit einer Zwiebelsauce, die dafür um so salziger war. In der Kombination unschlagbar. Der Zwiebelsauce werde ich mich demnächst widmen, wenn es das Wetter empfiehlt.

Wirsing ist ein sehr dankbares Gemüse. Es ist anspruchslos in der Vor- und Zubereitung. Es kommt nicht auf minutiöses Timing an, allerdings will es ordentlich gewürzt werden, sonst schmeckt es fad.

  • 100 g durchw. Speck
  • 2 kl. Zwiebeln (in Streifen)
  • Butterschmalz
  • 1 kg Wirsing (geputzt, geviertelt und in Streifen geschnitten)
  • 250 ml Fleischbrühe
  • 75 ml Milch
  • 1 EL Mehl
  • 100 ml Sahne
  • 2 TL Senf
  • Salz, Pfeffer und frisch geriebener Muskat

Speck und Zwiebel in der größten Pfanne der Hauses in Butterschmalz andünsten und herausnehmen, beiseite stellen. Noch etwas Schmalz zufügen und den Kohl nach und nach in die Pfanne geben und zusammenfallen lassen, mit Brühe auffüllen und ca. 15 Minuten sanft offen köcheln lassen. Milch und Mehl verrühren und zum Kohl geben, Sahne und Senf zugeben und würzen. Solange leise simmern lassen, bis der Kohl wirklich weich ist. Guten Appetit und viel Spaß bei der geschmacklichen Reise in die Vergangenheit.

Schaschliktopf, der süchtig macht

Wie mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, habe ich ein besonderes Faible für geile Imbissküche. Das mag daran liegen, dass in meinem Heimatdorf ein typischer Vertreter dieser Zunft in herausragender Qualität zur festen Anlaufstelle für viele Jahre gehörte. Seit einigen Jahren ist das „Futterhäuschen“, wie es offiziell hieß, zu einer Pizzabutze mutiert und hat sich zumindest das Schicksal erspart, in eine Dönerstation umgewandelt zu werden. Wenn ich an all die Köstlichkeiten von damals zurückdenke, bekomme ich jetzt noch erhöhten Speichelfluss: Curryfrikadelle, Zigeunerschnitzel (das man damals auch noch so nennen durfte), und die wahrscheinlich leckersten Pommes der Welt. Getoppt wurde dies nur noch von der Königin des Frittentempels, dem Schaschlik, den es in klein und groß gab: Spieße, die abwechselnd mit Fleisch, Zwiebel und Bauchspeck bestückt wurde, anschließend in gleißend heißem Fett kurz frittiert und danach mit der leckersten Soße der Welt benetzt und mit Paprikapulver bestäubt wurde…ein wahrer Hochgenuss!!!

Als neulich beim Gaumensurfing (Netz nach coolen Rezepten durchstöbern) auf dieses Rezept gestoßen bin und allein die Zutaten schon sehr spannend fand, wurde die kurzerhand nachgebaut und für exzellent befunden

  • 200 g Bauchspeck
  • 800 g Schweinefilet oder -rücken
  • 3-4 EL Schaschlik Gewürzmischung
  • 3 Paprika, Gelb, Grün und Rot
  • 2 große Zwiebeln
  • 1-2 EL Olivenöl
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1-2 EL Currypulver
  • 1 EL Paprika edelsüß
  • 1 EL Paprikapulver rosenscharf
  • 1 EL Brauner Zucker
  • 1 EL Sojasauce
  • 2 EL Apfelessig
  • 200 ml Passierte Tomaten
  • 300 g Tomatenketchup
  • 200 ml Apfelsaft
  • Salz
  • Schwarzer Pfeffer

Fertiges Schaschlikpulver ist meistens schlecht, daher mische ich mir dies selbst:

  • 5 TL Paprikapulver
  • 3 TL Currypulver
  • 3 TL Zwiebelpulver
  • 3 TL getr. Petersilie
  • 2 TL getr. Basilikum
  • 1,5 TL Knoblauchpulver
  • 1,5 TL Pfeffer
  • 1,5 TL Salz

Den Fleisch in mundgerechte Stücke würfeln / schneiden und mit der Gewürzmischung vermengen. 30 Minuten beiseite stellen. Den Speck in Scheiben schneiden, die Paprikaschoten entkernen und in mundgerechte Stücke schneiden. Die Zwiebeln achteln und in mundgerechte Stücke schneiden. Den Knoblauch schälen und fein würfeln. Eine große Pfanne mit passendem Deckel aufsetzen und bei mittlerer Hitze heiß werden lassen. Den Speck und etwas Öl hineingeben, knusprig auslassen und beiseite stellen. Die Hitze erhöhen und das gewürfelte Fleisch im Speckfett scharf von allen Seiten anbraten. Herausnehmen und beiseite stellen. Die Hitze auf mittlerer Hitze reduzieren und die Zwiebeln und Paprika hineingeben, leicht salzen. 5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anschwitzen. Den Knoblauch zufügen und 1 Minuten unter Rühren anbraten. Tomatenmark, Currypulver, beide Paprikapulver in die Pfanne geben und 2-3 Minuten mit dem restlichen Gemüse anschwitzen. Den braunen Zucker in die Pfanne geben und 2 Minuten unter Rühren leicht karamellisieren. Mit dem Apfelessig ablöschen und dann den Apfelsaft, Sojasauce, Ketchup und passierte Tomaten angießen. Alles gut miteinander vermischen und einmal kräftig aufkochen lassen. Mit geschlossenem Deckel ca. 30 Minuten köcheln lassen. Die letzten 10-15 Minuten (bis das Fleisch weich ist) ohne Deckel garen, damit die Soße ein wenig reduzieren und andicken kann. Mit Salz und schwarzem Pfeffer abschmecken und servieren. Ich mag als Beilage Pommes dazu.

Feuertonne mit Grillplatte (Plancha)

Heute mal kein Rezept, sondern lediglich ein paar visuelle Impressionen von meinem neuen Grillsportgerät. Es ist mein absolutes Lieblingsspielzeug, das unheimlich vielseitig ist und wahnsinnig Spaß macht. Es ist eine Tonne mit einem Grillkorb, darauf liegt eine Stahlplatte von 10 mm Dicke, die allein schon 60 kg wiegt.

Die Funktionsweise ist denkbar einfach: Holz in den Feuerkorb schichten, anzünden und ca. 30 Minuten vorheizen lassen. Die Platte erhitzt sich locker auf 250 – 300 Grad und darauf lassen sich Steaks, Gemüse und sogar Bratkartoffeln hervorragend braten.

Toll ist selbst der Reinigungsvorgang. Wenn die Platte erkaltet ist, einfach mit einem vernünftigen Spachtel die Reste von der Platte kratzen, mit Sonnenblumenöl einfetten und fertig!