Elderflower 75

Je älter man wird, desto mehr lernt man die schönen Dinge des Lebens zu schätzen. Seit einiger Zeit habe ich meine Vorliebe für leckere und hochwertige Aperitifs entdeckt. Ich erinnere mich dunkel daran, dass es bei uns zu Hause, sofern Gäste eingeladen waren, immer so komische bunte Drinks aus Gläsern gab, denen man einen Zuckerrand verpasst hatte. Nun gut, das waren die wilden Siebziger, die in meiner Erinnerung überwiegend aus Pullundern, Schlaghosen und Boney M. bestanden, aber das ist ein völlig anderes Thema.

Wikipedia konstatiert, dass der Aperitif (auch kurz Apero genannt) eine soziale Funktion übernehme, weil die Gäste nach dem Eintreffen mit einem Getränk die Zeit bis zum Beginn des Dinners überbrückt bekommen. Ich halte diese These für völlig abwegig und behaupte, dass es in erster Linie um das hastige Konsumieren von Alkohol geht, um beim Essen und den ‚Tischgesprächen‘ schon mal etwas locker um die Hüfte zu sein.

Dieser Aperitif (den Begriff Apero finde ich grauenvoll, weil er für mich sprachlich ganz nah am ‚Cappu‘ angesiedelt ist, der bei mir auf dem Sprachindex ganz oben residiert) erfüllt alle gregorianischen Voraussetzungen: er hat ausreichend Bums, ist nicht zu süß und macht optisch etwas her.

  • 3 cl Gin
  • 1,5 cl Zitronensaft (möglichst frisch gepresst)
  • 1 cl Holunderblütensirup
  • 2 cl Zuckersirup
  • Champagner, Cremant oder Prosecco zum Aufgießen
  • Eiswürfel
  • ggf. Zitronenschale als Deko

Die ersten 4 Zutaten in einen mit Eis gefüllten Shaker geben, gut verschließen und ca. 15 Sekunden kräftig schütteln. In ein passendes Glas (gefüllt mit einigen Eiswürfeln) sieben und mit Sekt aufgießen. Bei der Wahl des Glases sind keine Grenzen gesetzt, ich habe sogar schon Whiskygläser genommen und auch das sah geil aus.

Das wird in Zukunft mein Standardaperitif vorm Grillen!

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Sun and Grain

Mit Drinks, in denen Weizenbier als Komponente enthalten ist, habe ich ja so meine Erfahrungen…und in der Tat: eigentlich hat Bier ja genug Aroma und bräuchte keine geschmacklichen Begleiter. Nun habe ich kürzlich in meiner nach wie vor heiß geliebten ‚essen & trinken‘ eine Komposition entdeckt, die es zumindest verdient hat, ausprobiert zu werden. Sie eignet sich allerdings weniger als leichter Drink vorweg, es sei denn, man möchte Gäste bewirten, die schon bei der Vorspeise einen ordentlich Glimmer haben. Clou dieses Drinks dürfte die Orangenmarmelade sein, die neben der Süße auch eine bittere Note mitbringt. Da Weizenbiere traditionell nicht so stark gehopft sind, könnte das funktionieren…aber Vorsicht, das Zeug geht runter wie Öl und hat mächtig Bums!

  • 4 cl guten Kornbrand (im Rezept stand was von fassgelagertem Dinkelkorn)
  • Saft einer halben Zitrone
  • 2 TL Orangenmarmelde
  • Eiswürfel
  • Weizenbier (Hefeweizen, gut gekühlt)

Die ersten vier Zutaten in einen Shaker geben und mind. 30 Sekunden schütteln, bis sich Orangenmarmelade aufgelöst hat. Durch ein Sieb in ein Longdrinkglas geben, das ebenfalls mit Eiswürfeln gefüllt ist, darauf vorsichtig das Weizenbier gießen.

Sundown

Dieses Rezept mit dem zugegebenermaßen wenig originellen Namen habe ich einer meiner unzähligen Kochzeitschriften entnommen, dort allerdings mit Bacardi als alkoholische Grundzutat. Auf dieses Zeug stehe ich ja so gar nicht mehr (#jugendsünden) und habe es kurzerhand durch Cachaça ersetzt. Und siehe da, ein echter Gaumenschmeichler ist geboren. Für den Prototyp habe ich Orangensaft aus dem Container genommen. Will man ein optimales Ergebnis erzielen, ist ganz sicher der frische gepresste die bessere Wahl. Das Mischungsverhältnis ist eher sekundär, hier geht wieder einmal probieren über studieren.

  • 1 Longdrinkglas gefüllt mit Eiswürfeln oder crushed Ice
  • 1 Schnapsglas (2-4 cl) Cachaça
  • 1 Dash Zitronensaft
  • Orangensaft
  • Grenadine

Der erste Versuch ist mir dann doch etwas zu süß geraten, so dass ich beim zweiten etwas Zitronensaft zur Abrundung verwendet habe.

Wichtig beim Zusammenrühren ist nur, dass man die Grenadine zum Schluß über einen Löffelrücken ins Glas laufen lässt, damit man diese perfekte Trennung der Flüssigkeiten hinbekommt.

Geiles, süchtig machendes Zeug!

Übrigens ist dieses wunderhübsche Gerät daneben mein neuer Sommerliebling; ein Bluetoothlautsprecher der Extraklasse. Wenn sich die Nachbarn bei einem Gerät dieser Größenordnung über zuviel Bass beschweren, dann ist’s ein geiles Gerät!!!

Glühwein – selbstgemacht und lecker

Ach ja, es ist die alte Leier. Auf Kohltour hat man Bock auf einen richtig leckeren Glühwein. Und was bekommt man? Eine einfärbte Industriejauche, die mit Wein nix zu tun hat und die schmeckt, als habe man Klosterfrau Melissengeist, billigsten Korn und Wasser mit dunkelroter Speisefarbe gemischt und solange mit Limonade gestreckt, bis kein Alkohol mehr zu vernehmen ist. Gruselig!

Ich habe dann irgendwann angefangen, in meiner kleinen Hexenküche etwas herumzuexperimentieren und herausgekommen ist ein Gesöff, das den Namen Glühwein tatsächlich auch verdient. Geheimnis ist natürlich zum einen die Qualität des Weins, zum anderen die Auswahl der Gewürze.

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  • 1 Flasche guter Rotwein (Cabernet Sauvignon eignet sich bestens)
  • 2-3 Gewürznelken
  • 3-4 Pimentkörner (Nelkenpfeffer)
  • 1/2 Vanilleschote
  • 1 Zimtstange
  • 1 Sternanis
  • Saft einer Orange und einer Zitrone
  • 1 Schnapsglas Cointrau
  • 2 Schnapsgläser Portwein
  • Zucker nach Belieben (3-4 EL werden es aber wohl mind. sein)

Den Rotwein in einen Topf geben, die Gewürze mit ausgekratzter Vanilleschote zugeben, Orangen und Zitronensaft zugeben und bis kurz vorm Kochen erhitzen. Zudecken, vom Herd ziehen und ca. 30-45 Minuten stehen lassen. Gewürze mit einer Schaumkelle entfernen oder den ganzen Kram einfach durch ein Sieb in einen anderen Topf kippen, anschließend Portwein und Cointreau zugeben und mit Zucker abschmecken. Hält sich abgefüllt in einer Glasflasche im Kühlschrank locker einige Wochen.

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Lakritzlikör ‚Black Smoke‘

Der im Netz unter dem Namen ‚Schwarze Sau‘ firmierende salzig scharfe Likör, dem ich aus Respekt vor den lieben Schiedsrichtern einen weniger verfänglichen Namen verpasst habe, wurde mir von einigen Jahren von einer Freundin in Hamburg erstmalig verabreicht und begegnete mir vor gut einem halben Jahr in einer Kochpostille aufs Neue. Ich habe ihn ausprobiert und für ziemlich gut befunden.

  • 2 Tüten (à 100 g) Türkisch Pfeffer
  • 700 ml Wodka

Bonbons einfach in einem verschraubbaren Gefäß mit dem Wodka mischen und auflösen lassen und gelegentlich schütteln. Das dauert einige Stunden. Eisgekühlt (nicht gefroren!) servieren.

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Ich habe jedoch auch gleich einen Extremisierungsvorschlag auf Lager: anstatt des türkischen Pfeffers kann man auch hervorragend jeweils 50-60 g ‚Sallos x-treme‘ (sehr salzig) und ‚Sallos x-plosiv‘ (ziemlich scharf) verwenden…der Likör wird dann noch etwas fetter!