Das beste Chili con Carne: Ein Retro-Rezept

Ich gebe es ungern zu, aber die Nostalgie beginnt mit zunehmendem Alter an mir zu nagen. Nachdem ich das neue Buch von Jan Weiler gelesen habe, bin ich im Kopf ebenfalls alle meine früheren Beziehungen durchgegangen und habe mir überlegt, wie ich über sie schreiben würde. Da es ja nicht so wahnsinnig viele sind (jedenfalls keine 13 wie bei dem Protagonisten Peter Munk), werde ich das vielleicht mal als Projekt für den nächsten Nordseeurlaub im Hinterkopf behalten.

Zu dieser Nostalgie gehört es untrennbar, dass ich gelegentlich meine alten Rezeptsammlungen durchblättere (die sind ja schließlich noch, ganz oldschool, natürlich analog). Und da ich vor kurzem mal wieder Besuch hatte, der über Dinnergröße hinausging, habe ich diesen Klassiker gewählt. Das Originalrezept ist 35 Jahre alt und aus der ‚Brigitte‘, von der ich gar nicht weiß, ob sie noch verlegt wird. Es zeichnet sich durch Gradlinigkeit ihrer Zutaten aus. Erstmalig gekocht habe ich es anlässlich des 30. Geburtstags meiner Schwester (♥), es waren wohl knapp 20 Liter. Das Problem war das Küchenequipment. Die zu öffnenden Dosen hatten damals noch keine Lasche, sondern mussten mit einem Öffner, den meine Freundin in den gemeinsamen Hausstand mit eingebracht hatte, unter größter Kraftanstrengung mühsam geöffnet werden. Ähnlich komfortabel war die Küchenmesserausstattung, die genau aus einem Küchenmesser bestand, das zudem auch noch stumpf wie ein Besenstil war.

Dabei ist die Zubereitung denkbar simpel:

  • 1 kg Hackfleisch (gemischt)
  • 150 g durchw. Speck (im Blitzhacker ‚durchgelassen‘)
  • Öl,
  • Chili-con-Carne Gewürz
  • 500 g Zwiebeln (in Ringe geschnitten)
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • 2 gr. Dosen (oder 4 kleine) stückige Tomaten
  • 3/4 – 1 Liter Brühe
  • 2 große Dosen Kidney-Bohnen
  • 1 Dose Mais
  • Salz und Pfeffer

Der Rest ist fast selbsterklärend: Hack und Speck in Öl krümelig anbraten und mit Chili-Gewürz reichlich würzen, in einen großen Topf umfüllen, im Bratfett die Zwiebeln und den durchgepressten Knoblauch anschwitzen, mit Dosentomaten auffüllen und aufkochen lassen und ebenfalls umfüllen. Kidneybohnenabgießen, zusammen mit dem Mais in den großen Topf geben und mit Brühe aufgießen. Alles ca. 2 Stunden sanft köcheln lassen und über Nacht kalt stellen. Am nächsten Tag mit Salz, Pfeffer und Chili-Gewürz abschmecken.

Pulled Pork aus dem Dutch Oven

Also erstmal eins vorweg: Dieses Fleisch, das seinen Namen dadurch bekommen hat, weil man es mit Gabeln auseinanderzieht, wird im Englischen „pullt“ ausgesprochen. Volldeppen, die es „pullett“ aussprechen, haben schon mal pauschal eine Schelle verdient. Genau wie die Fleischexperten, die mit prall gefülltem Portomonnaie an der Fleischtheke stehen und vollmundig ein „Entrekoh“ bestellen. Freunde, man spricht das ‚t‘ mit (weil darauf ein ‚e‘ folgt), auch wenn es sprachlich an nichts Essbares erinnert. Soviel dazu! Pulled Pork ist ein göttlich leckeres Stück Schweinefleisch, das durch langes Garen im gusseisernen Topf bei indirekter Hitze einige Stunden gart, bis es quasi fast von allein zerfällt. Aber der Reihe nach:

  • 1,5 kg Schweinenacken (oder -kamm)
  • ca. 30-50 g Grillrub (siehe unten)
  • 4 Gemüsezwiebeln
  • 1/2 l Apfelsaft (ich nehme naturtrüben)

Am Vortag das Fleisch rundherum mit dem Rub würzen, vakuumieren und für ca. 24 Stunden in den Kühlschrank legen. Wer keinen Vakuumierer hat, nimmt einfach Frischhaltefolie und wickelt das Fleisch fest darin ein. Ein Rub ist übrigens eine Gewürzmischung, die man trocken (also ohne Zugabe von Öl) auf das Fleisch gibt. Man kann sie einfach selbst herstellen oder man nimmt dies oder dies. Basis ist in den meisten Fällen Paprikapulver, das durch andere Gewürze wie Kreuzkümmel (Cumin), Salz, Pfeffer, Knoblauchpulver, Zwiebelpulver, Zucker ergänzt wird. Nach 24 Stunden das Fleisch aus der Kühlung nehmen und vom Plastik befreien, die Zwiebeln schälen und achteln.

Zwiebeln in den Dutch Oven füllen, das Fleisch, das mit einem Thermometer versehen wird, darauf legen und den Apfelsaft angießen. Den Gasgrill (mind. 3-flammig) auf 130 Grad vorheizen (die mittlere Flamme aus lassen) den Dutch mit Deckel in die Mitte setzen und den Grill schließen. Wie lange das Fleisch nun benötigt, um die Kerntemperatur von 95 Grad zu erreichen, lässt sich pauschal nicht sagen, da es sehr viel von der Qualität und Dicke des Fleischstücks abhängt. 3,5 Stunden werden es aber schon sein. In der Zwischenzeit könnte man sich der Herstellung von Burger Buns widmen.

Wenn die Zeit gekommen ist, wird gepullt, d.h. das Fleisch wird vorsichtig aus dem Topf gehoben, auf ein großes Schneidebrett gelegt und mit eigens dafür vorgesehenen Krallen auseinander gezogen. Danach mit einer guten BBQ-Sauce (mein Rezept folgt in den nächsten Tagen) vermengt….fertig!

Gegessen wird die ganze Chose mit einem Burger Bun oder Brötchen, ganz wie man mag!

Geschnetzeltes mit Senfrahm

Geschnetzeltes ist eigentlich ein Allroundtalent. Fleisch, Zwiebeln, Soße – fertig. Der zeitlose Prototyp ist und bleibt das Zürcher Geschnetzeltes (nur echt ohne i). Gepaart mit Rösti ein wahrer Gaumenschmaus.

Die Kunst von gutem Geschnetzeltem liegt darin, dass das Fleisch nicht trocken wird. Das ist gar nicht so einfach. Schneidet man es nämlich zu fein und brät es dann scharf an, ist es bereits vor dem Bad in der Soße schon gar und kann nur noch hart werden. Auch die Wahl des richtigen Fleisches ist von großer Bedeutung. Schnitzel eignen sich eigentlich nicht so gut, Rücken eigentlich auch, da beide sehr dazu neigen, zu schnell zu trocken werden. Nacken eignet sich prima, mag aber nicht jeder. Filet geht immer, ist aber auch am teuersten.

Die heutige Variante zeichnet sich eine besonders würzige Note aus.

  • 600 g Fleisch nach Belieben (s.o.)
  • 2 Zwiebeln
  • 1 EL milder Paprika
  • 100 ml trock. Weißwein
  • 150 ml Sahne
  • 1 EL mittelscharfer Senf

Die Zubereitung lässt sich eigentlich fast erahnen: in die Pfanne etwas Butterschmalz oder Öl geben, ordentlich heiß werden lassen und in Streifen geschnittene Fleisch kurz und kräftig anbraten. Hitze etwas reduzieren. Herausnehmen und mit Salz und Pfeffer würzen. Zwiebeln vierteln und in Streifen schneiden und in die Pfanne geben. Sind sie angebraten, mit Paprika bestreuen und mit Wein ablöschen, ca. 5 Minuten einkochen lassen. Dann Sahne und Senf zugeben und nochmal reduzieren, bis die Soße sämig ist. Das Fleisch zugeben und kurz erwärmen.

Guten Appetit!

Schweinerückensteak „Steakhouse-Art“

Warum das Ding so heißt, weiß ich nicht. Ich habe jedenfalls bislang noch in keinem Steakhouse je so etwas gesehen, geschweige denn gegessen. Allerdings klang das Rezept derart lecker, dass ich es ausprobieren musste. Und man kann über das Großmaul Henssler ja sagen, was man will, aber kochen kann er. Und ‚Hensslers schnelle Nummer‘ ist tatsächlich sehr oft ziemlich großartig. So auch dieses flotte Gericht, das natürlich viel schneller gehen würde, wäre das Fleisch nicht so üppig portioniert.

  • Schweinerückensteak in beliebige Dicke
  • etwas Steakgewürz
  • 2 EL Mehl
  • 1 Stange Porree
  • 1 rote Paprikaschote
  • 4-5 braune Champignons
  • 2-3 EL Ketchup
  • 100 ml Orangensaft
  • 200 ml Sahne
  • Salz und Pfeffer
  • frisch gehackte Petersilie

Das Fleisch zunächst mit dem Steakgewürz bestreuen danach im Mehl wälzen. In einer sehr heißen Panne (am besten eine gußeiserne Steakpfanne) kurz braten und herausnehmen und im Ofen gar ziehen lassen (je nach Dicke 10-20 Minuten bei 150 Grad Umluft). Das Gemüse in der Pfanne mit etwas Butterschmalz andünsten und mit Ketchup, und Orangensaft ablöschen und anschließend mit Sahne angießen und gar ziehen lassen. Mit Steakgewürz nach Belieben würzen. Mit Petersilie bestreuen.

Test: Meater 2 Plus

Ich halte mich für einen einigermaßen routinierten Hobbykoch. Die Zeiten, in denen mit großen Fragezeichen vor einem Rezept gesessen habe, sind wohl vorbei. Ich erinnere mich, als ich zu Beginn meiner Kochlaufbahn in einem Rezept den Begriff „Schnittlauchröllchen“ las. Ich fragte meine Frau, ob sie wisse, was das denn wohl sei, weil ich davon ausgegangen war, dass es sich um fertiges Produkt gehandelt hat. Erst Jahre später fiel der Groschen, als ich in einem Rezept las, dass man ‚Schnittlauch auch hervorragend mit einer Schere zu Schnittlauchröllchen‘ verarbeiten könne.

Allerdings bin ich bei einem Skill immer noch miserabel: Dem richtigen Abschätzen des Gargrads. Schrecklich, furchtbar, unmöglich! Jedes Mal, wenn ich ein tolles Stück Fleisch habe, das keinesfalls ‚durch‘ serviert werden sollte, komme ich ins Schlingern. Egal ob Rumpsteak, Filet oder Rücken, den richtigen Gargrad bekomme ich selten hin! Und gelingt es mir und ich bin stolz wie Bolle, geht es beim nächsten Mal garantiert wieder so richtig in die Hose!

In einem der mittlerweile immer seltener werdenden passablen Kochpostillen macht der österreichische Sternekoch und Grinsekatze Johann Lafer Werbung für ein Fleischthermometer, das das Braten revolutionieren soll. Es misst die Temperatur im Fleisch, die Umgebungstemperatur und gibt eine Prognose ab, in welcher Zeit die Zieltemperatur erreicht sein wird. Diese wird zu Beginn des Garvorgangs aus einem einfachen Menü ermittelt. Ein idiotensicheres Ding, also genau das richtige für einen wie mich!

Was soll ich sagen? Das Teil funktioniert bestens und man kann sich getrost darauf verlassen. In diesem Fall war es Schweinerückensteak, ziemlich dick geschnitten. Nach dem scharfen Anbraten kam es in den 150 Grad heißen Backofen und sollte da 20 Minuten verweilen. Der Gargrad war perfekt und das Fleisch noch saftig. Ich habe den Meater jetzt auf dem Gasgrill, Holzkohlegrill und im Backofen verwendet. Das Ergebnis war stets perfekt.

Übrigens: Nein, ich bekomme keine Kohle dafür, dass ich Werbung mache. Ich finde das Teil so genial, dass ich das einfach so mache!

Schaschliktopf, der süchtig macht

Wie mittlerweile allgemein bekannt sein dürfte, habe ich ein besonderes Faible für geile Imbissküche. Das mag daran liegen, dass in meinem Heimatdorf ein typischer Vertreter dieser Zunft in herausragender Qualität zur festen Anlaufstelle für viele Jahre gehörte. Seit einigen Jahren ist das „Futterhäuschen“, wie es offiziell hieß, zu einer Pizzabutze mutiert und hat sich zumindest das Schicksal erspart, in eine Dönerstation umgewandelt zu werden. Wenn ich an all die Köstlichkeiten von damals zurückdenke, bekomme ich jetzt noch erhöhten Speichelfluss: Curryfrikadelle, Zigeunerschnitzel (das man damals auch noch so nennen durfte), und die wahrscheinlich leckersten Pommes der Welt. Getoppt wurde dies nur noch von der Königin des Frittentempels, dem Schaschlik, den es in klein und groß gab: Spieße, die abwechselnd mit Fleisch, Zwiebel und Bauchspeck bestückt wurde, anschließend in gleißend heißem Fett kurz frittiert und danach mit der leckersten Soße der Welt benetzt und mit Paprikapulver bestäubt wurde…ein wahrer Hochgenuss!!!

Als neulich beim Gaumensurfing (Netz nach coolen Rezepten durchstöbern) auf dieses Rezept gestoßen bin und allein die Zutaten schon sehr spannend fand, wurde die kurzerhand nachgebaut und für exzellent befunden

  • 200 g Bauchspeck
  • 800 g Schweinefilet oder -rücken
  • 3-4 EL Schaschlik Gewürzmischung
  • 3 Paprika, Gelb, Grün und Rot
  • 2 große Zwiebeln
  • 1-2 EL Olivenöl
  • 2 Knoblauchzehen
  • 1 EL Tomatenmark
  • 1-2 EL Currypulver
  • 1 EL Paprika edelsüß
  • 1 EL Paprikapulver rosenscharf
  • 1 EL Brauner Zucker
  • 1 EL Sojasauce
  • 2 EL Apfelessig
  • 200 ml Passierte Tomaten
  • 300 g Tomatenketchup
  • 200 ml Apfelsaft
  • Salz
  • Schwarzer Pfeffer

Fertiges Schaschlikpulver ist meistens schlecht, daher mische ich mir dies selbst:

  • 5 TL Paprikapulver
  • 3 TL Currypulver
  • 3 TL Zwiebelpulver
  • 3 TL getr. Petersilie
  • 2 TL getr. Basilikum
  • 1,5 TL Knoblauchpulver
  • 1,5 TL Pfeffer
  • 1,5 TL Salz

Den Fleisch in mundgerechte Stücke würfeln / schneiden und mit der Gewürzmischung vermengen. 30 Minuten beiseite stellen. Den Speck in Scheiben schneiden, die Paprikaschoten entkernen und in mundgerechte Stücke schneiden. Die Zwiebeln achteln und in mundgerechte Stücke schneiden. Den Knoblauch schälen und fein würfeln. Eine große Pfanne mit passendem Deckel aufsetzen und bei mittlerer Hitze heiß werden lassen. Den Speck und etwas Öl hineingeben, knusprig auslassen und beiseite stellen. Die Hitze erhöhen und das gewürfelte Fleisch im Speckfett scharf von allen Seiten anbraten. Herausnehmen und beiseite stellen. Die Hitze auf mittlerer Hitze reduzieren und die Zwiebeln und Paprika hineingeben, leicht salzen. 5 Minuten unter gelegentlichem Rühren anschwitzen. Den Knoblauch zufügen und 1 Minuten unter Rühren anbraten. Tomatenmark, Currypulver, beide Paprikapulver in die Pfanne geben und 2-3 Minuten mit dem restlichen Gemüse anschwitzen. Den braunen Zucker in die Pfanne geben und 2 Minuten unter Rühren leicht karamellisieren. Mit dem Apfelessig ablöschen und dann den Apfelsaft, Sojasauce, Ketchup und passierte Tomaten angießen. Alles gut miteinander vermischen und einmal kräftig aufkochen lassen. Mit geschlossenem Deckel ca. 30 Minuten köcheln lassen. Die letzten 10-15 Minuten (bis das Fleisch weich ist) ohne Deckel garen, damit die Soße ein wenig reduzieren und andicken kann. Mit Salz und schwarzem Pfeffer abschmecken und servieren. Ich mag als Beilage Pommes dazu.

Das waschechte Wiener Schnitzel

Ja ja, bewährte Schnitzelküche im Hause gregorkocht. Ganz ehrlich? Seit 35 Jahren bin ich Hobbykoch und habe mich bislang nie darum geschert, wie eigentlich ein ‚richtiges‘ Wiener Schnitzel geht. Ich habe immer Schnitzel aus der Oberschale vom Schwein genommen, gerne auch etwas dicker geschnitten (‚alles unter 3 Zentimeter ist Carpaccio‘), mit Salz und Pfeffer gewürzt und ihnen anschließend einen Doppelwumms aus geschlagenem Ei und Paniermehl verpasst. Dann in ordentlich Öl braten und fertig. Irgendwann, wenn man mal wieder zuviel Mike Süsser im Fernsehen geschaut hat und er zum hundertsten Mal was von plattieren und soufflieren gefaselt hat, will man es doch wissen und deswegen kommt heute:

Das weltbeste erste Wiener Schnitzel!

  • Schnitzel vom Kalb (Oberschale oder Rücken), je ca. 180 – 220 g schwer
  • Salz und Pfeffer
  • Mehl
  • Eier (Faustformel: je Schnitzel ein Ei)
  • Semmelbrösel oder Paniermehl
  • Butterschmalz und neutrales Öl oder eine Mischung aus beidem

Die Zutatenliste suggeriert ein unkompliziertes und schnelles Gericht, jedoch liegt der Teufel im Detail. Beginnen wir mit dem Fleisch. Das muss mit einem Fleischplattierer ordentlich flachgeprügelt werden. Damit die Fleischfasern nicht unnötig leiden, wird empfohlen, dies in einem passend großen Gefrierbeutel zu bewerkstelligen. Ich hege allerdings große Zweifel an diesem ‚Trick‘, denn wenn ich jemanden in einen mannshohen Müllsack stecke und ihn dann mit einem Baseballschläger verwämse, werden nicht nur seine Fleischfasern leiden. Ist dies in ausreichendem Maße erfolgt (das Fleisch sollte 2-3 mm dick sein), wird gesalzen und gepfeffert. Jetzt kommt der große Unterschied zu meinem Hausschitzel: Jetzt wird es von beiden Seiten mehliert und anschließend durchs Ei gezogen und danach paniert. Wichtig sind jetzt zwei Dinge: Zum einen sollte dieser Vorgang unmittelbar vor dem Braten erfolgen, zum anderen ist es extrem wichtig, dass die Panade keinesfalls mit den Fingern festgedrückt wird. Ansonsten wird’s nichts den Wellen.

Kommen wir jetzt zum weitaus sensibleren Teil, dem Braten. Als Hardware benötigen wir eine Pfanne aus beliebigem Material mit möglichst hohem Rand, da zum Braten viel fett erforderlich ist. Bei der Wahl des Fetts scheiden sich die Geister. Nach der reinen Lehre muss zwingend Butterschmalz verwendet werden, es funktioniert aber auch mit Sonnenblumen- oder Rapsöl. Ich verwende immer eine Mischung aus Schmalz und Öl, weil ich Buttergeschmack so geil finde. Es muss so viel Fett in die Pfanne gegeben werden, dass das Schnitzel darin schwimmen kann, ohne den Boden zu berühren. Die ideale Brattemperatur beträgt 170 Grad, wobei sie in dem Augenblick zu sinken beginnt, sobald das Fleisch hineingegeben wurde. Nun muss man eigentlich nur zwei Dinge beachten:

  1. Temperaturkontrolle: Man muss darauf achten, möglichst dicht an den angepeilten 170 Grad zu bleiben. Bei wesentlich niedrigeren Temperaturen saugt sich die Panade mit Fett voll, bei zu hohen verbrennt sie.
  2. Das Fleisch sollte immer wieder mittels einer kleinen Soßenkelle mit dem Fett aus der Pfanne begossen werden, auch wenn man den Sinn noch nicht unmittelbar erkennt. Nur und nur dadurch entstehen die Typischen Wellen oder Blasen.

Nach kurzer Zeit, wenn Blasenbildung abgeschlossen und eine entsprechende Bräunung eingesetzt hat, ist das Fleisch fertig und kann genossen werden. Ich schätze dazu den Genuss eines ausgepressten Zitronenviertels sowie Preiselbeeren aus dem Glas.

Küss die Hand!

Curry-Hähnchen-Suppe

Ich bin ja in den 70ern groß geworden. Kulinarisch war da eher deutsche Hausmannskost angesagt So ganz langsam fing man an, auch essenstechnisch über den Tellerrand zu schauen. Ich erinnere mich noch gerne daran, wie ‚Tante Ulla‘, die natürlich nicht meine Tante war, mir zu einem Geburtstag eine Pizza zubereitete. Für den italienischen Geschmack der Tomatensauce wurde das Gewürzpäckchen aus einer Schachtel ‚Miracoli‘ verwendet und der Hefeteig wurde noch mit Ei und Butter zubereitet…lecker war sie trotzdem und den Geschmack werde ich wohl nie wieder vergessen.

Die absolute Spezialität meiner Mutter, über deren Kochfähigkeiten man geteilter Meinung sein konnte, war ein Vorläufer der Bihunsuppe, die bei uns als ‚chinesische Hühnersuppe‘ bekannt war. Eine Hühnerbrühe, die mit Currypulver, Glasnudeln und Mu-Err-Pilzen gepimpt wurde war das Highlight zu Weihnachten und Silvester. „Die macht aber ordentlich Arbeit“, beklagte sich meine Mutter stets, weil das Auskochen eines Suppenhuhn mit anschließendem Abpulen des Hühnerfleischs natürlich eine ultrafettige Angelegenheit war und alles, wofür man mehr als nur einen Topf benötigte, war für meine Mutter immer eine ‚Heidenarbeit‘. Diese Suppe geht eher so in Richtung Cremesuppe, wobei ich bei der Kombination aus Huhn und Curry immer schwach werde. Getoppt wird dieser eigentlich nur noch von frittiertem Huhn, dem ich tatsächlich verfallen bin. Aufwändig ist bei dieser Suppe eigentlich nur das Schnippeln der Zutaten vorab.

  • 500 g Hähnchenbrustfilet
  • 1 Bund Frühlingszwiebeln
  • 300 g braune Champignons
  • 1 rote Paprikaschote
  • 1 Zwiebel
  • 1 Becher Kräuterschmelzkäse (200 g)
  • 750 ml Hühnerbrühe
  • 100 Sahne
  • 30 ml Terriyakisauce
  • 1 TL rote Currypaste
  • 1,5 EL Mehl
  • 1 EL Curry
  • 1 EL Butter
  • Salz und Pfeffer

Wie bereits erwähnt, muss anfangs etwas geschnippelt werden: Hähnchen in nicht zu große Stücke, Frühlingszwiebeln in Ringe (das Dunkelgrüne nicht mitverwenden), Pilze und Paprika in kleine Stücke und die Zwiebel in halbierte Ringe.

Hähnchenstücke in heißem Öl anbraten und sie, sobald sie einigermaßen gebräunt sind, wieder herausnehmen. Dann das übrige Gemüse (erst Zwieben und Paprika für 5 Minuten, dann den Rest) andünsten und ebenfalls wieder herausnehmen. In einem großen Topf die Butter schmelzen und das gebratene Hähnchenfleisch geben. Mehl und Curry darüberstäuben und anschwitzen, dann mit Brühe ablöschen und leicht köcheln. Dann den Schmelzkäse zufügen und schmelzen lassen, dann Sahne und Terriyaki zugeben und den Gemüsemix zufügen. Mit Currypaste, Salz und Pfeffer je nach gewünschter Schärfe abschmecken und noch 10 Minuten köcheln lassen.

Das war’s schon!

Gyrosspieße

Es ist kein großes Geheimnis, dass ich die griechische Folkloreküche verehre. Mit einem saftigen Suflaki und einem leckeren Zaziki kann mir den Tag versüßen. Ich hab auch schon öfter Gyros auf dem Gasgrill gemacht (Dank eines elektrischen Drehspießes), und zwar hier und mit selbstgemischter Gewürzmischung, was auch wirklich köstlich, aber leider sehr arbeitsintensiv ist, weil der Grill hinter ordentlich geschrubbt werden muss. Unabhängig davon bin großer Fan von Schaschlik in allen Variationen. Was liegt da näher als das Beste aus beiden Welten miteinander zu verbinden? Gyrosschaschlik lautet die naheliegende Variante und ich finde, dass sich das bereits in der Theorie köstlich anhört. Natürlich ist die Zubereitung ein Kinderspiel und die Vorbereitung ratzfatz erledigt und das Fleisch mariniert mindestens 24 Stunden so vor sich hin. Die Angaben sind allesamt nur als ungefähre Größenordnungen gedacht, weil es halt nicht so drauf ankommt bei diesem Gericht.

  • 2,5 kg Schweinenacken
  • 3 Gemüsezwiebeln
  • Gyrosgewürz (1 TL je 250 g Fleisch)
  • 200 ml neutrales Öl
  • Saft einer halben Zitrone

Die Zwiebeln pellen, halbieren und in Streifen schneiden. In einer ausreichend großen Schale mit den Händen kneten, bis Saft austritt. Nacken in etwas 2-3 cm große Würfel schneiden und zu den Zwiebeln geben. Öl mit Gewürzen und Zitronensaft vermengen und über das Fleisch geben und ordentlich vermengen. Das geht am besten mit den Händen. Man sollte aber Küchenhandschuhe tragen, sonst hält sich der Geruch ewig… Abgedeckt im Kühlschrank über Nacht marinieren und nach 12 Stunden einmal durchrühren. Am nächsten Tag auf Spieße stecken (ich nehme immer ‚doppelläufige‘ dafür) und anschließend heiß angrillen und möglichst in Metaxasauce fertiggaren. Wem das nicht schmeckt, kann mich gerne anschreiben.

Gyrosgewürz

Vor Urzeiten habe ich hier ja schon mal ein Gyrosrezept gepostet. Das war allerdings mit einem Fertiggewürz mit üppigem Glutamatanteil zubereitet. Das Rezept war eher so eine Hommage an meinen elektrischen Drehspieß auf meinem Gasgrill und die Gyrosoptik stand im Vordergrund (Operation Speichelfluss!).

Einige Versuche später hatte ich das Fertigszeugs komplett über und eine eigene Würzmischung musste her. Von unzähligen Rezpten aus dem Netz inspiriert, ist es schließlich dies hier geworden:

  • 6 TL Oregano, gerebelt
  • 4 TL Thymian
  • 3 TL Salz
  • 3 TL schwarzer Pfeffer gemahlen
  • 3 TL Paprikapulver (mild)
  • 2 TL Majoran gerebelt
  • 2 TL Zucker
  • 2 TL Zwiebeln, granuliert
  • 2 TL Knoblauch, granuliert
  • 2 TL Rosmarin, gemahlen
  • 1 TL Korianderpulver
  • 1 TL Kreuzkümmel (Cumin), gemahlen
  • 0,5 TL Cayennepfeffer

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Die Gewürze gut miteinander vermengen. Ich verwende 1 TL je 250g Fleisch. Hier verwende ich vorzugsweise Schweinenacken, den ich dünne Scheiben schneide. Das Gyrosgewürze mische ich mit ausreichend Sonnenblümenöl (bitte kein Olivenöl!) und mariniere das Fleisch darin für 24 Stunden.

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Und wenn man schon mal dabei ist, kann man auch ruhig die ganze Familie einladen und einen griechischen Abend draus machen…